Geschichte

Der Verein Katharina von Zimmern wurde mit dem Ziel gegründet, Katharina von Zimmern, der letzten Äbtissin am Fraumünster in Zürich, einen Erinnerungsort zu schaffen.

Eine vom Kirchenrat der Zürcher Landeskirche im Jahr 1988 eingesetzte Arbeitsgruppe hatte beschlossen, eine auch für die Kirche bedeutsame Zürcherin aus dem Schatten der Geschichte zu holen und bleibend sichtbar zu machen. Die Wahl fiel auf Katharina von Zimmern. Trotz spärlicher Quellenlage gab die Arbeitsgruppe eine Monographie in Auftrag, um die Zeugnisse ihres Wirkens vertiefter zu beleuchten. Irene Gysel und Barbara Helbling stellten das Buch Katharina von Zimmern – Zürichs letzte Äbtissin am 7. September 1999 der Öffentlichkeit vor.

Am 3. November 2000 formierte sich unter dem Präsidium von Jeanne Pestalozzi ein breitabgestützter Verein. Die Kunstkommission der Stadt Zürich delegierte ihr Mitglied Elisabeth Grossmann, die Frauenzentrale Susi Herold, die Gesellschaft zu Fraumünster Catherine Ziegler Peter.

Weitere Mitglieder waren die Ordensfrau Sr. Ingrid Grave, Irene Gysel, Kirchenrätin und Redaktorin, Gaby J. Müller, Mitglied im BPW Zürich. Das Sekretariat führte Lisbeth Studer. In der Schirmschaft waren Persönlichkeiten aus beiden Kirchen, aus der Politik, aus Wirtschaft und Kultur vertreten.

2001 lud der Verein fünf Künstlerinnen zu einem Wettbewerb ein und stellte die Projekte in der Wasserkirche vor. Der damalige Stadtpräsident Josef Estermann, der das Vorhaben von Anfang an unterstützt hatte, hielt eine vielbeachtete Rede:

«Was die geschichtliche Rolle und Bedeutung von Frauen betrifft, fehlen die Denkmäler und fehlt es an einer Geschichtsschreibung, die Denkmäler hätte aufstellen lassen. Erst die Frauenbewegung hat die Aufmerksamkeit auf dieses die halbe Menschheit und die ganze Geschichte der Sozialisation und Enkulturation ausklammernde Fehlen gelenkt. Anders als die vorübergehende Aktion «Transit 99» hat dieses Fehlen offensichtlich keine Irritationen ausgelöst. Umso wichtiger scheinen in unserer Phase des gesellschaftlichen Bewusstseins «Denkmäler» zu sein. Wobei die alten Formen das Denken offenbar kaum mehr anstossen können, und in der Tat eigene Ziele, eigene Werte und deshalb auch neue Formen ausprobiert werden müssen».

Im März 2002 entschied sich die Jury für die Blockskulptur der Zürcher Künstlerin Anna Maria Bauer: «ihre Arbeit bringe die Idee eines offenen Erinnerungsortes in Gehalt und Form komplex und sensibel zum Ausdruck und werde der Persönlichkeit der Äbtissin, die damit gewürdigt wird, in jeder Beziehung gerecht. Die Blockskulptur besitze in ihrer konzentrierten und einfachen Form etwas Geheimnisvolles sowie ein hohes Mass an Zeitlosigkeit und Wertigkeit.» Von Katharina von Zimmern gibt es kein Bild. Es gab daher keine Möglichkeit, sie auf den Sockel zu stellen. So wurde der Sockel selbst zur Skulptur. Er nimmt ausserdem, auf dem Boden des ehemaligen Abtei-Friedhofes stehend, auch die Form des Sarkophages auf und soll – ökumenisch - an Altar und Abendmahlstisch erinnern. Anna Maria Bauer setzt sich vorzugsweise mit modularen Naturordnungen auseinander. Sie konzipierte das auf vielfache Weise zu deutende Kunstwerk gemäss der 37 sichtbaren Hornplatten des Schildkrötenpanzers.

denkmal

Die Stadt beschloss, den ehemaligen Kreuzgang zwischen Stadthaus und Fraumünster im Hinblick auf die Skulptur neu zu gestalten. Ein kupfernes Spruchband, das im Boden eingelassen wurde, fasst die Motivation der Äbtissin zusammen, die Abtei samt allen Rechten und Gütern der Stadt Zürich zu übergeben: «Die Stadt vor Unruhe und Ungemach bewahren und tun, was Zürich lieb und dienlich ist».

Der Erinnerungsort wurde am 14. März 2004 mit einer eindrücklichen Feier im bis auf den letzten Platz besetzten Fraumünster, unter Teilnahme von illustren Gästen wie Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Nationalrätin Rosmarie Zapfl-Helbling, Regierungsrätin Dorothee Fierz, Stadträtin Kathrin Martelli eingeweiht.

band kreuzgang

Der Verein gab weitere Publikationen zu Katharina von Zimmern in Auftrag:

Regine Abegg, Spätgotische Stuben und Flachschnitzfriese aus dem Hof der Fraumünster-Äbtissin Katharina von Zimmern im Schweizerischen Landesmuseum Zürich. Mit einem Beitrag von Rachel Kyncl zur Analyse der Sprüche in den ehemaligen Räumlichkeiten der Äbtissin Katharina von Zimmern.

Zürich, 2008, herausgegeben vom Verein Katharina von Zimmern

Peter Niederhäuser, Transkription und Untersuchungen der Rechnungsbücher der Fraumünsterabtei und weiterer Quellen. Der Bericht dazu findet sich im Neujahrsblatt 2013 der Antiquarischen Gesellschaft Zürich

Von 2014 an lotete der Verein die Möglichkeiten einer weiteren Publikation aus und begleitete die Nachforschungen über die Geschichte Katharina von Zimmerns von Irene Gysel und Jeanne Pestalozzi. Beide suchten nach bisher unentdeckten Quellen und Texten, um das Rätsel einer möglichen frühen Tochter der Äbtissin zu lösen. Sie hielten zudem nach einer Autorin Ausschau, die darüber allenfalls auch einen Roman hätte schreiben wollen.

Es sollte eine Schriftstellerin sein, die über ein grosses historisches Wissen über die Zeit der Reformation verfügte, die sich auch in Literatur und Philosophie auskannte und die zudem eine leichte Feder führte.

Dr. Christine Christ von Wedel erklärte sich zu einer Publikation bereit. Um gefundene Dokumente entziffern und übersetzen zu können, wurde die Handschriftenspezialistin Marlis Stähli um ihre Mithilfe gebeten. Gemeinsam forschten die vier Frauen nun während dreier Jahre intensiv und besuchten insgesamt mehr als 20 Archive in der Schweiz und im süddeutschen Raum. Da sie auf überraschende Schriftstücke stiessen, beschlossen sie, keinen Roman, sondern ein zweites Sachbuch herauszugeben. Christine Christ schrieb in kürzester Zeit ein spannendes Buch, Marlis Stähli verfasste einen vor allem für Historikerinnen und Historiker wertvollen Anhang mit den kommentierten Quellentranskriptionen.

«Die Äbtissin, der Söldnerführer und ihre Töchter» kam im Herbst 2019 beim Theologischen Verlag Zürich heraus, die Vernissage fand am 24. Oktober 2019 im Fraumünster statt. Das Buch erschien unterdessen in zweiter Auflage.